Leverage-Effekt

Mit dem Leverage-Effekt (leverage engl., dt. Hebel) wird die Steigerung der Eigenkapitalrentabilität bei steigender Verschuldung (steigende Fremdkapitalquote = sinkende Eigenkapitalquote) bezeichnet. Aber fangen wir von vorn an. Die Eigenkapitalrentabilität ist das Verhältnis von Gewinn (=Jahresüberschuss) zum Eigenkapital (in der Bilanz auf der Passivseite [rechte Seite] gleich als erste Position zu finden). Man könnte auch sagen, es ist die Rendite für den Eigentümer. Die Fremdkapitalquote ist die Relation zwischen Schulden (Fremdkapital, in der Bilanz Verbindlichkeiten genannt) und dem Gesamtkapital (=Bilanzsumme).

Der Leverage Effekt an einem Beispiel erklärt:

Am besten erklärt sich das an einem Beispiel. Das Unternehmen EINS hat eine Fremdkapitalquote von 50%. Nach Abzug alle Kosten (aber ohne Zinsen) bleiben 50 TEUR (Gewinn vor Zins). Der Kreditzins beträgt 10%.

Betrag in TEUR Anteil am Gesamtkapital
Eigenkapital 200 50 %
Fremdkapital 200 50 %
Gesamtkapital 400 100 %
Gewinn vor Zins: 50
Zins 10% 20 (von 200) Eigenkapitalrendite
Gewinn% 30 30 von 200 = 15 %

Nun entnimmt der Inhaber 100 TEUR aus dem Unternehmen, welches zur Finanzierung diesen Betrag als weiteren Kredit aufnehmen muss. Die Fremdkapitalquote steigt auf 75 Prozent.

Betrag in TEUR Anteil am Gesamtkapital
Eigenkapital 100 25 %
Fremdkapital 300 75 %
Gesamtkapital 400 100 %
Gewinn vor Zins: 50
Zins 10% 30 (von 300) Eigenkapitalrendite
Gewinn 20 20 von 100 = 20 %

Die Eigenkapitalrentabilität steigt von 15 % auf 20 % oder anders formuliert‚ pro eingesetztem Euro erhält der Eigentümer nun 20 Cent statt 15 Cent im Jahr zurück. Das sorgt häufig für Verwirrung, es müssen doch mehr Zinsen gezahlt werden? Aber alle sagen doch, dass man möglichst wenig Schulden haben sollte, nun ist es umgekehrt?

Nun, der Gewinn ist tatsächlich gesunken, eben wegen der gestiegenen Zinszahlungen. Mal unabhängig vom Rechenweg, wie kann man sich erklären, dass die Rendite steigt? Zunächst, die Rendite steigt nur in Bezug auf das Eigenkapital. Das Eigenkapital sinkt relativ stärker (um 50%) als der Gewinn (um 1/3). Das ist der Hebel, dem der Effekt seinen Namen verdankt. Die Gesamtrendite bleibt gleich (50 TEUR Gewinn und Zins von 400 TEUR sind vorher und nachher 12,5 %). Nun aber zur Erklärung, die wohl jedem einleuchtet. Der Zins ist der Preis für das Fremdkapital, der Gewinn ist faktisch der Preis für das Eigenkapital. Stellen Sie sich bitte vor, der Gewinn wird stets an den Eigentümer ausbezahlt. Dann ist aus Sicht des Unternehmens das Eigenkapital mit einem Preis von 15 % teurer als das Fremdkapital von 10 %. Das Unternehmen ersetzt also teures Kapital mit billigem. Erst wenn der Fremdkapitalzins steigen sollte, bis er höher ist als die Eigenkapitalrentabilität, macht die Ersetzung keinen Sinn mehr.

Warum sollte man das tun, wenn der Gewinn sinkt? Nun, das macht tatsächlich nur Sinn, wenn das herausgezogene Eigenkapital anderweitig mit einer höheren Rendite als mit dem Fremdkapitalzins von 10 % eingesetzt werden kann.

Bleiben wir bei dem obigen Beispiel. Angenommen der Eigentümer kann die herausgezogenen 100 TEUR in ein Unternehmen mit einer Eigenkapitalrentabilität von ebenfalls 15% investieren (nach Investition). Dann erhält er statt 30 TEUR zukünftig 35 TEUR. Der Gewinn im Unternehmen EINS sinkt zwar, aber dafür hat erhält er den Gewinn aus Unternehmen ZWEI und zwar mehr als der Gewinn in Unternehmen EINS sinkt.

Unternehmen Vorher nachher
EINS 30 TEUR (15 % von 200 TEUR) 20 TEUR (20 % von 100 TEUR)
ZWEI - 15 TEUR (15 % von 100 TEUR)
SUMME 30 TEUR 35 TEUR

Welche Bedeutung hat der Leverage Effekt in der Praxis?

Zum einen gibt es auch aus diesem Grund kaum Unternehmen, die nur mit Eigenkapital finanziert werden, zumal der Zins steuersenkend wirkt, was wir hier noch gar nicht betrachtet haben. Auf der anderen Seite jedoch, ist eine immer weiter steigende Verschuldung in der Praxis nicht realisierbar. Die Zinsen erhöhen den Fixkostenblock, damit steigt das Risiko. Je höher das Risiko, umso höher der Zinssatz für neue Kredite bis schließlich kein Fremdkapitalgeber mehr bereit ist, eine weitere Verschuldung zu finanzieren. Ein gesundes Unternehmen hat daher auch niemals fast ausschließlich Fremdkapital. Das ist auch die Sicht von Funding Circle. Wir möchten für die Investoren als Fremdkapitalgeber ein möglichst geringes Risiko und das bedeutet, dass die fundenden Unternehmen eine auskömmliche Eigenkapitalquote haben sollten. Eine hohe Eigenkapitalrentabilität interessiert uns nicht, sehr wohl aber die Gesamtkapital- und die Umsatzrentabilität bei der Bonitätsbewertung.

Welche Anwendungsbereiche hat der Leverage Effekt in der Praxis?

Der Leverage-Effekt wurde hier zwar anhand eines Unternehmens dargestellt, ist aber auch auf Investitionen übertragbar. In dem Fall schaut man, welches Eigenkapital und welches Fremdkapital für die Investition verwendet wurde, und welcher Return on Investment übrig bleibt.