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Kleinanlegerschutzgesetz erschwert die Geldanlage in Kreditprojekte

01.10.2015 Autor Lerato Bogatsu

In den vergangenen Tagen haben uns einige Nachrichten von Funding Circle-Anlegern erreicht, die die derzeit relativ geringe Auswahl an Kreditprojekten auf unserem Marktplatz thematisieren. Zum besseren Verständnis möchten wir in diesem Blogpost auf die wesentliche Ursache, das Kleinanlegerschutzgesetz (KASG), eingehen.

Unser Kreditmarktplatz zeichnet sich durch eine große Auswahl an Projekten aus den verschiedensten Regionen, Sektoren und Branchen aus. Seit einigen Tagen ist diese Auswahl nun minimierter und bei unseren privaten Investoren entstehen Fragen nach den Hintergründen. Anders als von einigen Anlegern vermutet spielt die Finanzierungszusage des institutionellen Investor Victory Park Capital (VPC) nur eine untergeordnete Rolle. Hauptursache für die geringe Anzahl an Kreditprojekten auf unserem Marktplatz ist das im Juli 2015 in Kraft getretene Kleinanlegerschutzgesetz (KASG). Diese Gesetzgebung regelt in Teilen das Vermögensanlagegesetz neu und ist eine vom Gesetzgeber initiierte Maßnahme zum Schutz von privaten Anlegern. Allerdings hat die Regulierung auch negative Folgen für private Investoren und Anbieter wie uns. Denn neu ist, dass das Crowdlending wie wir es anbieten unter das Vermögensanlagegesetz fällt und somit prospektpflichtig wird, wenn wir Kredite über 100.000 Euro vermitteln. Obwohl wir die Schaffung gesetzlicher Rahmenbedingungen grundsätzlich positiv bewerten, führen diese neuen Richtlinien zu erheblichen Erschwernissen:

Prinzipiell ist das Grundverständnis des Kleinanlegerschutzgesetzes problematisch, da es in Hinblick auf große Kapitalaufnahmen in Nachrangformat, vor allem partiarische Nachrangdarlehen, definiert wurde. Für kleine Unternehmen, die weniger als 1 Mio. Euro über ein klassisches Darlehen aufnehmen wollen, ist die Regulierung wenig sinnvoll. Für Anleger ist es verwirrend, warum eine Geldanlage in Geschäftskredite über 100.000 Euro anderen regulatorischen Bedingungen unterliegen sollte als Investitionen in Kredite unter 100.000 Euro. Für uns als Anbieter wäre es nicht wirtschaftlich für unterschiedliche Kredithöhen gänzlich andere Prozesse vorzuhalten.

Konnten wir über unseren Kreditmarktplatz Privatpersonen bisher problemlos Projekte über 100.000 Euro als Geldanlage anbieten, müssen wir für diese nun andere Regeln erfüllen als für Kredite unter 100.000 Euro. Das heißt: Wenn wir Kredite von 10.000 Euro bis 100.000 Euro auf unserem Marktplatz anbieten, so fallen wir nicht unter das KASG. Sobald wir jedoch Kredite anbieten, die diesen Betrag überschreiten, dann fallen wir unter die Regulierung und müssen umfassende Dokumentationspflichten erfüllen. Ein einfaches Beispiel macht die negativen Konsequenzen am deutlichsten. Angenommen ein Privatanleger investiert über unseren Marktplatz 100 Euro in ein Projekt eines Unternehmens.

In Beispiel A würde er in einen 90.000 Euro-Kredit aus der Risikoklasse C- investieren. In Beispiel B in einen A+-Kredit in Höhe von 110.000 Euro.

Obwohl die Ausfallwahrscheinlichkeit beim ersten Anlagebeispiel deutlich höher wäre, würden wir nicht unter das KASG fallen. Informationen wie beispielsweise das Vermögensanlageninformationsblatt müssen nicht durch uns verfügbar gemacht werden. Im zweiten Fall müsste unter anderem diese Anforderung laut KASG erfüllt werden – trotz geringerer Ausfallwahrscheinlichkeit.

Da unser durchschnittliches Kreditvolumen bei 100.000 Euro liegt, können wir aufgrund des Kleinanlegerschutzgesetzes einen Großteil der Projekte nicht mehr durch private Anleger finanzieren lassen. Das Ergebnis ist der Status Quo des Angebots auf unserem Marktplatz. Die Verknappung ist daher das Resultat einer nicht zu Ende gedachten Regulierung.

Bleibt die Frage zu klären, ob die Finanzierungszusage von Victory Park Capital die Projektanzahl beeinflusst. Schließlich hatte unser Mitgründer und Geschäftsführer Matthias Knecht betont, dass für unsere privaten Investoren keinerlei Nachteil entstünde. Alle Investoren würden weiterhin gleich behandelt, denn dank eines automatisierten Allokationsmechanismus gebe es keine Auswahl von Filetstücken durch institutionelle Investoren auf unserer Plattform.

Diese Aussage möchten wir noch einmal bekräftigen und gern näher erläutern: Die Aufnahme eines zusätzlichen professionellen Anlegers in den Investorenpool ist prinzipiell begrüßenswert. Denn dem Engagement eines institutionellen Investors geht immer eine intensive Prüfung des Partnerunternehmens voran. In unserem Fall wurde die Qualität der Risikoanalyse genaustens untersucht. Dieser externe Blick auf unseren Bewertungsansatz ist somit auch für unsere privaten Anleger positiv und die Zusage von VPC ist ein Gütesiegel für unseren Marktplatz.

Die Vergrößerung der Kapitalbasis resultiert allerdings zunächst in einer erhöhten Nachfrage nach Investitionen und in einer schnelleren Finanzierung vorhandener Projekte. Dadurch wird das Kreditangebot für private Investoren kurzzeitig verringert. Dabei handelt es sich jedoch lediglich um einen kurzfristigen Effekt.

Auswertungen ausländischer Crowdlending-Plattformen haben gezeigt, dass sich mittelfristig die höhere Kapitalverfügbarkeit positiv auf einen Kreditmarktplatz auswirkt. Das erwarten wir ebenfalls für Zencap. Denn je schneller wir mittelständische Projekte auf unserem Marktplatz finanzieren, desto positiver die Wahrnehmung durch den Markt. Eine hohe Kundenzufriedenheit steigert die Kreditnachfrage und mündet in einem wachsenden hochwertigen Angebot für alle Investoren. Schon heute können wir in ersten Analysen sehen, dass die Bekanntgabe des VPC-Kapitals zu einer gesteigerten Nachfrage auf Kreditnehmerseite führt.

Darüberhinaus arbeiten wir aktiv natürlich unablässig daran, die Kreditnehmer-Nachfrage zu erhöhen: Neue Marketing- und Vertriebsinitiativen werden schon bald eine spürbare Vergrößerung des Projektangebots auf unserem Marktplatz nach sich ziehen. Immer mehr Partner wie Steuer- und Unternehmensberater nehmen uns in ihr Angebot auf und empfehlen Zencap aktiv an ihre Klienten weiter. Nicht zuletzt sorgen bereits bestehende Kreditnehmer für eine stetig wachsende Nachfrage an Anschlussfinanzierungen.

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