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Die Eigenkapitalquote und ihr Einfluss auf die Unternehmensbewertung

10.12.2018 Autor Andreas Boegner

Die umfassende und genaue Unternehmensanalyse ist wichtiger Bestandteil des Ratingprozesses bei Funding Circle. Unsere Kreditanalysten schauen sich dazu unter anderem die Bilanzen oder Gewinn- und Verlustrechnungen der jeweiligen Firmen an. Eine der wichtigsten Kennzahlen für diese Analyse ist die Eigenkapitalquote.

Die Eigenkapitalquote (EK-Quote) ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl und beschreibt das Verhältnis des Eigenkapitals zum Gesamtkapital – ausgedrückt in Prozent. Sie ist einer der relevantesten Indikatoren bei der Analyse der Kreditwürdigkeit eines Unternehmens.

Für Gesellschafter, Investoren, Banken und Rating-Agenturen stellt die EK-Quote einen relevanten Indikator zur Beurteilung der unternehmerischen Lage dar. Die Kennzahl lässt Rückschlüsse auf die Kapitalstruktur der Firma zu. In der Regel kann ein Unternehmen mit einer hohen Eigenkapitalausstattung Krisen oder vorübergehende negative Konjunkturentwicklungen besser abfedern, als ein Unternehmen mit geringem Eigenkapitalanteil, denn es verfügt über ausreichend Rücklagen.

Allerdings lässt sich eine gute EK-Quote nicht pauschal festlegen. Von Branche zu Branche gibt es unterschiedliche Standards, die Anlegern bei der Investitionsentscheidung Orientierung bieten können. Prinzipiell gilt: Je geringer die Anlagenintensität einer Branche, desto weniger Eigenkapital ist erforderlich. Maschinenbauunternehmen beispielsweise brauchen mehr, Serviceunternehmen weniger.

EK-Quote in der Langzeitbetrachtung

Bei Betrachtung der Entwicklung der EK-Quoten deutscher mittelständischer Unternehmen von 2002 bis 2016 zeigt sich, dass diese um knapp 12 % gestiegen ist auf nunmehr 30 % im Mittel. Die Variation des Wertes über Branchen und Unternehmensgrößen hinweg ist allerdings signifikant. Typische Maßnahmen zur Erhöhung der EK-Quote sind zum Beispiel Kapitalerhöhungen oder Gewinneinbehaltung.

KfW Studie Mittelstand

Quelle: KfW-Mittelstandspanel 2003–2017, weitere Informationen unter https://www.kfw.de/KfW-Konzern/Service/Download-Center/Konzernthemen-(D)/Research/Studien-und-Materialien/KfW-Mittelstandspanel/

Bedeutung des Eigenkapitals für die Kapitalgesellschaft

Bei einer Kapitalgesellschaft (nach § 266 Abs. 3 A. HGB) umfasst das bilanzierte Eigenkapital das gezeichnete Kapital, Kapital- und Gewinnrücklagen, Gewinn- und Verlustvortrag sowie den Jahresüberschuss und -fehlbetrag. Das Gesamtkapital entspricht der Bilanzsumme.

Das Eigenkapital bildet bei Kapitalgesellschaften einen wichtigen Teil der Haftungsmasse der Gesellschafter gegenüber den Gläubigern. Dabei ist zu beachten, dass das Gläubigerrisiko umso niedriger eingestuft werden kann, je höher der Eigenkapitalanteil ist. Darunter ist zu verstehen, dass die Forderungen der Gesellschafter bei einer Insolvenz bzw. Auflösung des Unternehmens hinter den Forderungen der Fremdkapitalgeber (Banken, Lieferanten, Anleger von Funding Circle ) zurückstehen, letztere aus der Haftungsmasse zuerst bedient werden.

Eigenkapitalquote berechnen – so geht es richtig

Die Berechnung der bilanziellen Eigenkapitalquote basiert auf einer einfachen Gleichung:

Eigenkapitalquote = Eigenkapital / Gesamtkapital * 100

Das Beispiel-Unternehmen A weist zum 31.12.2017 folgende Bilanz auf:

Aktiva Passiva
Anlagevermögen Eigenkapital 250.000 €
Machinen 500.000 €
Umlaufvermögen Fremdkapital
Vorräte 200.000 € Langfristige Darlehen 525.000 €
Forderungen aus Lieferungen
u. Leistungen
250.000 € Verbindlichkeiten 225.000 €
Kasse 50.000 €
1.000.000 € 1.000.000 €

Das Eigenkapital beträgt 250.000 €, das Gesamtkapital bzw. die Bilanzsumme beträgt
1 Million €.

Die Eigenkapitalquote berechnet sich somit wie folgt:

250.000 € / 1.000.000 € * 100 = 25 %


Hohe Eigenkapitalquote bietet viele Vorteile

Eine hohe Eigenkapitalquote hat für Unternehmen einige Vorteile:

  • Annahme einer höheren Kreditwürdigkeit und somit geringere Zahlungen für Zinsen bei Fremdkapitalaufnahme

  • ein geringeres Ausfallrisiko für das Unternehmen, vor allem in wirtschaftlich schweren Zeiten

  • höhere Unabhängigkeit des Unternehmers aufgrund geringerer Abhängigkeit von Fremdkapital

Zu beachten ist beim Blick auf die EK-Quote, dass diese im Zusammenhang mit anderen Kennzahlen interpretiert werden muss. Die Eigenkapitalquote ist per se kein eindeutiger Anzeiger für die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens. Hin und wieder werden bei Funding Circle zum Beispiel auch Finanzierungen mit bilanziert negativem Eigenkapital gelistet. Das derartige Unternehmen von unseren Analysten dennoch als kreditwürdig eingestuft wurden, liegt an der ganzheitlichen Betrachtung der wirtschaftlichen Lage. So kann sich der Eigenkapitalanteil zum gegenwärtigen und noch nicht bilanzierten Zeitpunkt positiv verändert haben – zum Beispiel durch zusätzliche Kapitaleinlagen der Gesellschafter oder eine positive Geschäftsentwicklung – oder es existieren bestehende Gesellschafterdarlehen, die als “Quasi-Eigenkapital” bewertet werden können.

Eine Zusatzumfrage der KfW zum Mittelstandspanel im September 2017 zu den Zielen der Unternehmer bei einer Erhöhung des Eigenkapitals zeigt die Komplexität und Diversität der Strategien hinter dem wirtschaftlichen Handeln. Zwar ist eine bessere Eigenkapitalausstattung des Mittelstands grundsätzlich positiv zu bewerten. Sie sollte aber auf Dauer nicht zu Lasten notwendiger Investitionen in Wachstum gehen, welche mitunter eine Teilfinanzierung durch Fremdkapital nötig machen.

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