Luft nach oben: Deutsche Unternehmen schöpfen alternative Finanzierungsoptionen nicht aus

  • 100 Prozent der deutschen KMU sehen Bedarf für Fremdfinanzierung
  • Alternative Finanzierungsmodelle sind bekannt, aber noch wenig genutz
  • Deutliche Unterschiede zwischen Ost und West sowie Stadt und Land

Berlin, 13. November 2019

– Eindeutiger kann der Bedarf nicht beziffert werden: 100 Prozent der deutschen Mittelständler hätten in den vergangenen vier Jahren eine Finanzspritze gebrauchen können. Allerdings haben nur 79 Prozent der Unternehmen tatsächlich Mittel in Anspruch genommen. Funding Circle, der Vermittler von KMU-Krediten in Deutschland, hat 400 Finanzentscheider zum Thema Fremdfinanzierung befragt und ist unter anderem der Frage auf den Grund gegangen, warum Unternehmen trotz Bedarf auf eine Fremdfinanzierung verzichten.*

Rund ein Viertel der Umfrageteilnehmer sagten klar, dass es nicht leicht sei, Geld genau dann zu bekommen, wenn sie es brauchen. 18 Prozent gaben an, dass es schwierig sei, eine Finanzierung im benötigten Umfang zu bekommen. Die bekanntesten Finanzierungsoptionen im deutschen Mittelstand sind Fördermittel, Leasing und die Kontokorrentlinie, also die Nutzung des Kontoverfügungsrahmens. Doch nicht nur diese klassischen Möglichkeiten sind den Finanzverantwortlichen in den KMU präsent. Über ein Drittel der befragten Mittelständler hat schon einmal von Platform-Lending bzw. Online-Kreditvermittlung gehört. Genutzt wurden diese digitalen Finanzierungsangebote bisher allerdings nur von 6 Prozent der deutschen Unternehmen.

„Die Datenlage ist klar: Es gibt in Deutschland eine deutliche Finanzierungslücke. Ein Fünftel der Unternehmen schöpft die Möglichkeiten zur Fremdfinanzierung nicht aus, obwohl sie Bedarf haben. Die Gründe hierfür sind sicherlich vielschichtig“, so Alexander Linden, Geschäftsführer bei Funding Circle Deutschland. So gaben fast 20 Prozent der befragten Unternehmen an, dass entweder die Anforderungen oder der Aufwand zur Beschaffung von finanziellen Mitteln zu hoch gewesen sind. Diese Lücke kann durch neue Finanzierungsangebote, wie etwa Online-Kredite, geschlossen werden.

Fintechs als frischer Wind im Wettbewerb willkommen

62 Prozent der deutschen Finanzentscheider begrüßen es, dass Banken Konkurrenz durch FinTech-Unternehmen bekommen. Sie versprechen sich davon ein größeres Angebot. Vor diesem Hintergrund ist es bemerkenswert, dass lediglich 6 Prozent der Unternehmen diese Option auch in Anspruch nehmen. Zwar ist Platform-Lending vielen Unternehmern ein Begriff, dennoch greifen sie vor einer Finanzierungsentscheidung mehrheitlich auf bereits vertraute Informationsquellen zurück. Fast 70 Prozent der Befragten holen sich zuerst bei ihrem Bankberater Rat, wenn es um die Möglichkeiten der Unternehmensfinanzierung geht.

Die Zahlen belegen, dass der Bankberater für viele Mittelständler nach wie vor die erste Anlaufstelle in Finanzierungsfragen ist. “Allerdings rechnen wir hier in der nächsten Zeit mit spürbaren Veränderungen.”, erklärt Alexander Linden. Ein Grund dafür läge darin, dass sich die klassischen Hausbanken immer mehr aus der Fläche zurückziehen. Laut Bundesbank hat sich der Trend der Filialschließungen durch Banken und Sparkassen im letzten Jahr noch beschleunigt. So wurden 2018 insgesamt 2.239 inländische Filialen geschlossen. Im Vergleich dazu waren 2017 1.900 Filialen von Schließungen betroffen. „Online-Kreditplattformen stehen jederzeit für den Kunden bereit, weil der Antragsprozess vollständig vom Computer und über das Telefon erledigt werden kann.“, betont Linden.

Gezielte Information schließt Finanzierungslücke in ländlichen Gebieten

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Finanzierungskultur eines Unternehmens hängt auch von seiner geografischen Lage ab. So fällt besonders zwischen Ost und West und zwischen Stadt und Land der Wissensstand um alternative Finanzierungsmöglichkeiten sehr unterschiedlich aus. Interessant im Hinblick auf die Bekanntheit und den Nutzungsgrad von digitalen Finanzierungsmöglichkeiten ist, dass Platform-Lending oder Factoring im urbanen Raum deutlich mehr Unternehmen ein Begriff sind als auf dem Land. Während die Angebote digitaler Anbieter in der Stadt 40 Prozent der Unternehmen bekannt sind, sind es in ländlicheren Gebieten nur 29 Prozent. Gleichzeitig vermelden 30 Prozent der Unternehmen im ländlichen Raum Schwierigkeiten beim Finanzierungszugang.

Auf ländliche Betriebe fokussierte Informationskampagnen können dabei helfen insbesondere mehr ländlich angesiedelte Betriebe über digitale Finanzierungsoptionen aufzuklären. Denn gerade für Unternehmen außerhalb der großen Metropolen und Ballungsräume birgt die Finanzierung über Online-Anbieter großes Potenzial. Ob ländliche Betriebe die Möglichkeiten alternativer Finanzierungsmodelle uneingeschränkt ausschöpfen können, hängt zudem von der Beschaffenheit der digitalen Infrastruktur ab. Denn die Antragsprozesse digitaler Finanzierungsanbieter sind so gestaltet, dass Unternehmer Kreditanfragen bequem von ihrem Computer stellen können und keine Präsenztermine notwendig sind – dafür ist allerdings eine performante Internetverbindung unverzichtbar. Wie der Breitbandatlas des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur zeigt, gibt es insbesondere in den neuen Bundesländern jedoch deutlichen Nachholbedarf. Dabei sind leistungsstarke Internetverbindungen eine Voraussetzung für die Nutzung digitaler Finanzierungsangebote.

„Geld ist und bleibt eine Sache des Vertrauens”, sagt Linden. „Unternehmen suchen Partner, die flexibel und verlässlich sind. Die Qualität der persönlichen Betreuung wird auch künftig einen grundlegenden Einfluss auf die Finanzentscheidungen von Unternehmen haben. Funding Circle stellt deshalb jedem unserer Kreditnehmer einen persönlichen Kundenbetreuer zur Seite.” Dies sei eine entscheidende Grundlage, um flächendeckend Finanzierungslücken für kleine und mittelständische Unternehmen zu schließen.

Vertiefende Details, weitere Zahlen & Fakten sowie zusätzliche Ergebnisse zum Thema Fremdfinanzierung in Deutschland sind im Whitepaper Fremdfinanzierung im Mittelstand - Unausgeschöpftes Potenzial im digitalen Kreditgeschäft zusammengefasst.

*nicht repräsentative Online-Umfrage unter 400 Finanzentscheidern / Mitarbeitern mit Entscheidungsbefugnis in Finanzfragen in Deutschland, Unternehmen von 1-1000 Mitarbeitern; durchgeführt von Toluna Analytics im Zeitraum 20.9.-4.10.2019

Über Funding Circle

Funding Circle ist eine globale Online-Plattform für KMU-Kredite. Sie bringt kleine Unternehmen mit Finanzierungsbedarf in Großbritannien, den USA, Deutschland und den Niederlanden mit Investoren zusammen, die in Unternehmenskredite investieren wollen. Seit ihrer Gründung im Jahr 2010 hat die Kreditplattform weltweit über 8,9 Milliarden Euro an mehr als 72.000 Unternehmen vermittelt. Zu ihren Investoren gehören mehr als 92.000 Privatanleger, außerdem Banken, Vermögensverwaltungsgesellschaften, Versicherungsgesellschaften sowie supranationale Förderbanken wie die Europäische Investitionsbank. Funding Circle ist an der Londoner Börse gelistet und im FTSE 250 Index vertreten.

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