Zschieschang-Waschmanufaktur-Header.jpg

Mit Verlässlichkeit zum Erfolg: Die Waschmanufaktur am Tharandter Wald GmbH

02.05.2018 Autor Julian Schmitz

Dirk Zschieschang ist seit 2011 geschäftsführender Gesellschafter der Waschmanufaktur am Tharandter Wald GmbH. 2017 konnte er dank einer Finanzierung über Funding Circle 20.000 Euro in Umbauarbeiten und Material investieren. Über seine Erfahrungen mit Banken, seinen Werdegang als Unternehmer und den Stellenwert von Verlässlichkeit und Vertrauen für wirtschaftlichen Erfolg hat er mit Funding Circle im Rahmen unserer Erfolgsgeschichten gesprochen.

Per Eilmeldung verkündet sein Smartphone mögliche Fahrverbote von Diesel-Autos in deutschen Großstädten. „Jetzt geht’s los“, prophezeit Dirk Zschieschang, geschäftsführender Gesellschafter der Waschmanufaktur am Tharandter Wald GmbH. „Letzten Endes müssen Dieselfahrzeuge nachgerüstet werden und die Kosten dafür müssen die Autohersteller übernehmen.“ Hinter Zschieschang steht einer der firmeneigenen Transporter, die den unfreiwillig passenden Slogan tragen: „Gemeinsam saubere Wege gehen“.

Vor dem sonnigen Panorama des Osterzgebirges und der ländlichen Idylle der Sächsischen Schweiz scheinen Diesel-Skandal und Luftverschmutzung in sehr weiter Ferne. Hier im Kurort Hartha, dem Hauptsitz der Waschmanufaktur, – umgeben von Wäldern, Bächen und malerischen Dörfern, die wahrhaftig aus einer Schweizer Alpenregion in das östliche Sachsen versetzt worden zu sein scheinen – liegt die Sauberkeit buchstäblich in der Luft.

Zschieschang, Waschmanufaktur

Aber es geht Zschieschang bei seiner Aussage noch um etwas anderes. „Die Autolobby ist zwar eine der einflussreichsten ihrer Zunft. Das verlorene Vertrauen kann sich aber selbst die Automobilindustrie längerfristig nicht mehr leisten.“ Vertrauen und Verlässlichkeit sind für ihn Grundfeste seiner Unternehmer-Ethik – und wiederkehrende Themen, wenn man mit ihm über seinen Betrieb, seine Arbeit als Geschäftsführer und seine Erfahrungen mit Unternehmensfinanzierung spricht.

„Mit warmen Worten und Werbung kriegt man die Menschen nicht, Verlässlichkeit ist das wichtigste.“

Zschieschang, 1963 in Dresden-Weixdorf geboren, führt das Unternehmen seit 2011. Die Waschmanufaktur bietet einen Wäscherei-Service für Kindergärten, Pflegeheime, Arztpraxen und Restaurants im Kreis Freiberg, Meissen, Pirna und Dresden an. Neben der Wäscherei betreibt das Unternehmen noch einen Textilpflegesalon und rund zwanzig Annahmestellen auf Kommissionsbasis. Über diese werden auch Privatkunden bedient – und es wird ein lokaler Windelservice angeboten.

Zschieschang setzt ganz auf die regionale Verbundenheit der Wäscherei und auf kleine Kunden aus der Umgebung. Das hat einerseits natürlich betriebswirtschaftliche Beweggründe. So ermöglichen beispielsweise kompaktere Lieferrouten einen schnelleren Umschlag und damit einen besseren Service, die kleineren Volumina lassen eine stetige Optimierung des Angebots bei voller Auslastung zu und saisonale Auftragsschwankungen lassen sich leichter ausbalancieren.

Aber Regionalität ist ganz klar auch ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem Zschieschang aus den Kapazitätsgrenzen des kleinen Unternehmens ein Verkaufsargument und Qualitätsindikator gemacht hat. „Die Menschen in der Gegend setzen auf Bewährtes und Vertrautes. Mit warmen Worten und Werbung kriegt man sie nicht, Verlässlichkeit ist das Wichtigste. Der Preis ist dabei fast egal – Hauptsache, es funktioniert.“

Die persönliche Verbindung zu den Kunden ist dabei unverzichtbar, um das nötige Vertrauen aufzubauen. Fragt man ihn nach den drei besten Argumenten für die Zusammenarbeit mit der Waschmanufaktur, antwortet der gebürtige Dresdner: „Qualität, Qualität, Qualität.“ Was zunächst wie ein generisches Zitat aus einem Marketing-Lehrvideo klingt, untermauert Zschieschang mit ganz klaren Ansprüchen an sein Produkt: „Du musst gleichzeitig in höchstem Maße schnell und verlässlich sein. Aber wir sind alle Menschen und Fehler passieren – das Wichtige ist, dann auch in höchstem Maße ehrlich mit diesen Fehlern umzugehen und über Kulanz das Vertrauen der Kunden zu gewinnen.“

Das Bild des zuverlässigen, regional verwurzelten Wäscherei-Dienstleisters sollte sich auch im Unternehmensnamen ausdrücken. Daher folgte nach der Übernahme der 1991 gegründeten Wäscherei und Chemische Reinigung Kautz die Umbenennung zur Waschmanufaktur am Tharandter Wald GmbH. „Wir wollten zeigen: Wir kommen von hier – und waschen noch von Hand.“

„Um es ganz klar zu sagen: Man hat mich hängen lassen.“

Verlässlichkeit und Vertrauen sind Faktoren, die Dirk Zschieschang bei seiner Erfahrung als Unternehmer mit Banken bisher schmerzlich vermisst hat. „Das Hauptproblem bei den Banken ist: Es gibt kein Augenmaß, sondern nur volle Kraft voraus oder volle Kraft zurück.“ Die Grundeinstellung der Kreditinstitute zum Thema Firmenkunden sei falsch und Verständnis für den unternehmerischen Blickwinkel nicht vorhanden: „Es geht schlicht ums Verkaufen, nicht darum, die Probleme der Kunden zu lösen. Sie verstehen nicht, dass für Unternehmer Fremdkapital die letzte Option ist und sich keiner gerne – geschweige denn unnötig – verschuldet.“

Und Zschieschang muss es wissen, denn er kennt beide Seiten gut.

Der Unternehmer Zschieschang

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands ergriff der gelernte Flugzeugelektriker die Chance, sich umzuorientieren und etwas Neues auszuprobieren. Beim Abholen des Begrüßungsgeldes in Berlin habe er das erste Mal eine Bank gesehen, was sich auch persönlich als folgenschweres Ereignis herausstellen sollte. Es folgten eine Ausbildung zum Bankkaufmann und zwanzig Jahre im Außendienst eines Bausparversicherers sowie in der Akquisition und im Risikomanagement bei deutschen Banken – zuletzt war er als Abteilungsleiter des Firmenkundengeschäfts einer regionalen Genossenschaftsbank tätig. Es waren zwei Jahrzehnte, in denen Zschieschang betriebswirtschaftliche Raffinesse und teils frustrierende Einblicke in das Innenleben von Finanzinstitutionen erwarb.

Der knappe Gestaltungsspielraum eines Bankangestellten brachte ihn 2010 zu der Entscheidung, abermals eine Neuerfindung zu wagen und sich als Unternehmer zu beweisen. Über eine Online-Börse fand er mit der Wäscherei damals den passenden Betrieb, um sich seinen Traum von der Selbstständigkeit zu erfüllen. Allerdings war er aus unternehmenshistorischen Gründen gezwungen, sich gleich zu Anfang eine neue Hausbank zu suchen. Dort erhielt er keinerlei fachliche Beratung und der Ansprechpartner zeigte kein wirkliches Interesse an einer Unterstützung. „Um es ganz klar zu sagen: Man hat mich hängen lassen.“

Dazu kam, dass der Vorbesitzer länger nichts investiert hatte, was zu einem akuten Instandhaltungsstau der Technik führte. Die Wäscherei musste mit einer schon knappen Kapitaldienstfähigkeit zunächst Maschinen teuer leasen, um den Waschbetrieb am Laufen zu halten. An diesem Punkt besann sich Zschieschang auf persönliche Kontakte, auf die er sich verlassen konnte und die ihm ihr Vertrauen schenkten: „Ich hatte das große Glück, dass befreundete Dienstleister und Partner aus der Region mich in Raten abbezahlen ließen oder mir zwischenzeitlich Zahlungsaufschub, zum Beispiel für Reparaturkosten, gaben. Anders hätten wir es nicht geschafft.“

„Diesen Partnern bin ich bis heute treu geblieben, weil ich gesehen habe, wie wichtig das persönliche Netzwerk ist, wenn man nicht wieder auf Bank angewiesen sein will“, resümiert Zschieschang.

„Planungssicherheit und Zuverlässigkeit ist genau das, was man als Unternehmer braucht.“

Als er 2017 für Aus- und Umbauarbeiten sowie für neue Trockner und Wäschewagen 20.000 Euro benötigte, erreichte seine Beziehung zu den klassischen Finanzinstitutionen einen neuen Tiefpunkt: „Das rigide Beharren auf Planzahlen und Regularien löst doch keine Probleme. Die Bank bietet keine individuelle Beratung, sondern fordert einen Fünf-Jahres-Plan der Investitionsergebnisse und drückt dir gleichzeitig ein Verkaufsgespräch für einen Bausparvertrag auf – das ist nicht zielführend.“

„Bei Funding Circle ging dann alles ganz schnell: Innerhalb von zwei Tagen rief mich der persönliche Ansprechpartner an, der Antragsprozess war einfach und selbsterklärend. Meine Bürgschaft und aktuelle Geschäftszahlen reichten für die Bewertung aus – und innerhalb von 14 Tagen hatte ich das Geld auf dem Konto.“ Natürlich ist die Finanzierung nicht umsonst, doch aus Sicht des Unternehmers gibt es wichtigere Aspekte bei der Finanzierung: „Wenn’s funktioniert, ist der Preis nicht so wichtig. Planungssicherheit und Zuverlässigkeit ist doch genau das, was man als Unternehmer braucht. Und genau das habe ich bei Funding Circle bekommen.“

„Über die Qualität entscheiden die Mitarbeiter, nicht die Maschinen.“

Der Drang nach beruflicher Selbstverwirklichung und das Versprechen von mehr privater Flexibilität bewegten Dirk Zschieschang dazu, vor nunmehr acht Jahren Unternehmer und Geschäftsführer zu werden. Er brachte das nötige betriebswirtschaftliche Know-how und eine gesunde analytische Objektivität mit in das Wäschereigeschäft. Und man merkt schnell, dass er sich wohlfühlt in der Rolle des Optimierers, des Effizienz-Predigers und Kommastellen-Dompteurs. Täglich überprüft er Wasser- und Energieverbräuche, wöchentlich kontrolliert er die Produktivität der Mitarbeiter und ist ununterbrochen auf der Suche nach weiteren Stellschrauben und Rädchen, mit denen er diese im großen Trend noch verbessern kann.

„Wir haben keinen Platz für große Waschstraßen, wie sie die großen Wäschereien haben. Wir werden pro Kilo Wäsche immer teurer sein und mehr Wasser verbrauchen, als die großen, die Wäsche einkaufen und Mietwäsche anbieten, um für Auslastung zu sorgen. Aber wir können innerhalb unserer Möglichkeiten noch viel besser werden.“

Er spricht von „Minimalprinzip nach innen, Maximalprinzip nach außen“ – und verkündet stolz, dass das Unternehmen noch 2010 täglich nur 800 Kilogramm Wäsche bearbeiten konnte und heute bereits bei bis zu 1.500 Kilogramm pro Tag und einer deutlich höheren Effizienz liegt. Und die Auftragsbücher sind voll, was wiederum für die konstante Qualität spricht.

Aber als fachlicher Quereinsteiger durchlief Zschieschang einen teils schmerzhaften Lernprozess, der anfänglich auch zu privaten Spannungen führte. „Es gab Zeiten, in denen ich tagsüber Wäsche sortiert und gewaschen, mich abends um die Buchhaltung gekümmert und am Wochenende Reparaturen vorgenommen habe.“ Noch heute springt er selbst ans Lenkrad, wenn ein Fahrer ausfällt und übernimmt weiterhin alle buchhalterischen Aufgaben sowie das Marketing.

Neben den Eigen- und Feinheiten des Wäschereigeschäfts musste Zschieschang vor allem lernen, Verantwortung abzugeben und Vertrauen zu den Angestellten aufzubauen. So begann er, die Belegschaft in Lösungsfindung und Optimierungsprozesse einzubinden, von deren Fachwissen zu profitieren und so gleichzeitig die Verbindung zum Unternehmen zu fördern. „Die Identifikation mit einem Unternehmen führt zu Sorgfalt. Und diese Sorgfalt ist wichtig für reibungslose Abläufe und letzten Endes für die Qualität des Produkts. Über die Qualität entscheiden die Mitarbeiter, nicht die Maschinen. Die Maschinen entscheiden nur über das Tempo.“

Auch an dieser Stelle scheint Zschieschang einem Maximalprinzip zu folgen: Er achtet sehr auf die Maximierung der Lebensqualität seiner 19 Angestellten, die im Schnitt bereits fünf Jahre im Betrieb sind. „Es ist mir wichtig, dass meine Leute sozial verträgliche Arbeitszeiten haben. Deswegen bleiben wir beim Einschichtprinzip und es gibt keine Wochenend- und Feiertagsarbeit, wie sie bei der Konkurrenz oft üblich ist.“

Zschieschang sagt heute ehrlich, dass er ohne eine ordentliche Portion motivierter Blauäugigkeit den nötigen Optimismus vielleicht nicht gehabt hätte, sich selbstständig zu machen. Aber dieser zahlt sich nun aus. Auch dank der getätigten Investitionen verzeichnete die Waschmanufaktur 2017 ein gesundes Umsatzwachstum von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – eine Entwicklung, die sich auch im ersten Quartal 2018 fortsetzt. Laut Zschieschang hat der Erfolg neben der internen Effizienzsteigerung auch damit zu tun, dass der Tourismus in der Region „boomt“, und mehr Gäste zu solventeren Kunden und konstanter ausgelasteten Auftragsbüchern führen. Dadurch ist er in der komfortablen Situation, seine Kunden danach aussuchen zu können, ob deren Auftragsprofil in sein minutiöses Optimierungs-Mosaik passt.

„Ich bin noch nie so gern zur Arbeit gegangen wie heute.“

Und was kommt nun? Ein Verkauf wäre natürlich eine Option, sagt Zschieschang. „In einem bis zwei Jahren wäre die Braut so schön, dass man sie zum Altar führen könnte.“ Dann würde er gerne eine große Reise machen – oder sich abermals neu erfinden und einen Schritt in Richtung Unternehmensberatung wagen. „Genau wie Roland Berger, der übrigens in jungen Jahren die Wäscherei seiner Eltern übernommen hat.“ Die nötige Erfahrung hätte er – und Anfragen von Kollegen und befreundeten Unternehmern liegen ihm vor.

Gleichzeitig schätzt er die Freiheit der flexiblen Zeitgestaltung als Unternehmer sehr. Außerdem scheint er noch lange nicht zufrieden zu sein mit der Effizienz seines Unternehmens, der angestrebte Grad an Makellosigkeit ist noch nicht erreicht. „Es gibt viele Möglichkeiten, alle sechs Monate denke ich wieder anders über die Zukunft nach. Das Schöne ist, dass ich derzeit überhaupt kein Bedürfnis habe, mich festzulegen. Denn feststeht: Ich bin noch nie so gern zur Arbeit gegangen wie heute.“

Zum Abschied steht Dirk Zschieschang vor seiner Waschhalle, beinahe majestätisch eingehüllt in eine Nebelwolke, die aus den Ablassrohren der Wäscherei nach außen tritt. „Keine Sorge, das ist nur Wasserdampf. Da sind keine Stickoxide drin“, versichert er mit einem verschmitzten Lächeln. Er ist sichtbar stolz auf seine Waschmanufaktur am idyllischen Tharandter Wald, die er Schritt für Schritt zu Höchstleistungen bringt – stolz auf sein kleines Stück Verlässlichkeit.

Jetzt Unternehmensfinanzierung anfragen

Artikel in der Kategorie Erfolgsgeschichten