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Jens Spahn und Lars Hornuf präsentieren FinTech-Studie

06.12.2016 Autor Lerato Bogatsu

Zum ersten Mal hat das Bundesministerium für Finanzen (BMF) die erste umfassende Studie zum FinTech-Markt in Deutschland in Auftrag gegeben. Jens Spahn (CDU), Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, und Jun. Prof. Dr. Lars Hornuf von der Universität Trier präsentierten in dieser Woche auf der hub conference in Berlin die Ergebnisse des Berichts. Wir haben mit Jun.-Prof. Dr. Lars Hornuf gesprochen und einige spannende Einblicke erhalten.

Welche Marktvolumina haben deutsche FinTech (Financial Technology)-Unternehmen? Welche Trends und Wachstumstreiber zeichnen sich ab? Und wie genau lässt sich der Begriff „FinTech” überhaupt definieren?

Mit diesen Fragestellungen befasst sich die Studie FinTech-Markt in Deutschland, die von Prof. Dr. Gregor Dorfleitner und Jun. Prof. Dr. Lars Hornuf im Auftrag des Bundesfinanzministeriums für Finanzen (BMF) verfasst wurde. Auf der hub conference, die diese Woche vom Digitalverbands Bitkom in Berlin veranstaltet wurde, präsentierten der Parlamentarische Staatssekretär beim BMF Jens Spahn und Jun.-Prof. Dr. Lars Hornuf die Studienergebnisse. Eine wesentliche Erkenntnis: Innerhalb Europas liegt der deutsche FinTech-Markt auf Platz zwei und im globalen Vergleich hat Deutschland aufgeholt.

Insgesamt 346 FinTech-Unternehmen mit einer aktiven Geschäftstätigkeit konnten im Rahmen der Forschung identifiziert werden, Sie unterteilen sich in verschiedene Marktsegmente. Schwerpunkte der Studie sind die Bereiche Finanzierung in dieser Sparte ist auch unser Marktplatz tätig – und die Vermögensverwaltung. Einige Fakten zu diesen beiden Segmenten:

●     Das Gesamtmarktvolumen der in Deutschland tätigen FinTech-Unternehmen lag 2015 bei 2,2 Mrd. EUR. Finanzierungen im Wert von 270 Mio. EUR wurden über Crowdfunding-Plattformen vermittelt und Vermögen von über 360 Mio. EUR wurde durch Social-Trading-Plattformen und Robo-Advice-Anbieter verwaltet. FinTechs im Segment Zahlungsverkehr konnten zudem ein Transaktionsvolumen von 17 Mrd. EUR verzeichnen.

●     Crowdlending ist der größte Teilsegment des Crowdfundings; der Markt verzeichnete ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 95 %.  Die Vermittlung von Unternehmenskrediten hat in den letzten beiden Jahren an Bedeutung gewonnen und damit das Wachstum des Gesamtmarkts vorangetrieben.

●     Rund 1,2 Mio. Deutsche nutzten 2015 unabhängige Personal-Financial-Management-Systeme zur Verwaltung ihrer persönlichen Finanzen.

Die beiden Segmente haben in den vergangenen Jahren hohe Wachstumsraten verzeichnet. In einem Basisszenario gehen die Wissenschaftler davon aus, dass das FinTech-Gesamtmarktvolumen im Jahr 2020 auf 58 Mrd. EUR ansteigen wird. Zehn Jahre später wird gar mit einem Volumen von 148 Mrd. EUR ausgegangen.

5 Fragen an den FinTech-Experten Prof. Dr. Lars Hornuf

Wir haben mit dem FinTech-Experten Jun.-Prof. Dr. Lars Hornuf über seine persönliche Einschätzung des FinTech-Markts gesprochen und uns darlegen lassen, welche Vorteile FinTechs dem Kunden bringen.

Funding Circle: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein Interview mit uns genommen haben, um mit uns über die Studienergebnisse zu sprechen. Das Gutachten belegt eindeutig, dass die Wachstumsraten des Sektors beeindruckend sind. Uns würde Ihre ganz persönliche Einschätzung interessieren.

Jun.-Prof. Dr. Lars Hornuf: Zunächst einmal freut es mich, dass die Studie das erste Gutachten mit belastbarem Zahlenmaterial darstellt und ich diese gemeinsam mit Jens Spahn auf der hub conference präsentieren konnte. Bisher waren Zahlen nur in verschiedenen Quellen und nicht so gebündelt zu finden. Nach der Auswertung der Daten konnten wir feststellen, dass der deutsche Markt bereits auf einem sehr guten Wachstumsweg ist. Das belegt auch die aktuelle The Pulse of FinTech”-Studie von KPMG und CBInsights, wonach Deutschland weiterhin ein starkes Wachstum zeigt. Dies spiegelt sich im Vertrauen von Wagniskapitalgebern in den hiesigen Markt wider. Im dritten Quartal hat Deutschland mit 105 Mio. US-Dollar zum zweiten Mal in Folge mehr Investitionen von Venture Capital erhalten als Großbritannien (78 Mio. US-Dollar).

Welche Erkenntnisse konnten Sie aus der Untersuchung des deutschen FinTech-Markts ziehen?

Wir hatten ursprünglich das Ziel eine einheitliche Definition des FinTech-Marktes zu liefern. Dies war allerdings aufgrund der sehr unterschiedlichen Geschäftsmodelle oder ungleich gestalteter Produkte nicht möglich. Stattdessen haben wir eine Kategorisierung des Marktes vorgenommen. Anlehnend an die klassische Wertschöpfungskette einer Universalbank können FinTechs in die Segmente Finanzierung, Vermögensmanagement, Zahlungsverkehr und sonstige FinTechs unterteilt werden. Dies zeigt, dass die jungen Unternehmen jedes Segment der Banken angreifen. Die Studie widmet sich in Einzelkapiteln den jeweiligen Segmenten. Feststellen lässt sich außerdem, dass der deutsche Markt im Vergleich zum traditionellen Bankensektor noch recht klein ist. Jedoch hat er ein enormes Potenzial.

Und welchen Nutzen bringen die neuen Anbieter dem Kunden?

Ziel der jungen Spieler ist es den Kundennutzen mittels leichter Bedienbarkeit, Effizienz, Transparenz oder Automatisierung zu erhöhen. Es ist daher wichtig, dass jedes FinTech sich stets vor Augen führt, welchen Nutzen es für seine Kunden hat. Fast alle marktplatzbasierte Plattformen wie Funding Circle verfügen außerdem über zwei Kundengruppen: Kreditnehmer und Kreditgeber. Hier müssen beide Seiten optimal bedient werden, damit die Plattformen auch langfristig am Markt erfolgreich sind.

In diesem Jahr wurde in den Medien vielfach das Verhältnis zwischen FinTechs und Banken diskutiert. Eine wesentliche Erkenntnis der Studie ist, dass 87 % der befragten Banken bereits mit FinTech kooperieren. Wird sich der Trend fortsetzen oder wäre auch ein anderes Szenario denkbar?

Der Trend wird sich ganz klar weiter fortsetzen – und zwar aus einem einfachen Grund: beide Seiten profitieren voneinander. Banken haben die Ressourcen und verfügen über einen großen Kundenstamm. FinTechs hingegen sind unabhängig und agiler als die etablierten Spieler. Sie können in verschiedenen Bereichen neue Ansätze beispielsweise im Marketing zunächst einmal leichter testen. Zusätzlich zur Kooperation sind auch noch andere Varianten denkbar. Beispielsweise haben einige Banken bereits eigene sogenannte Acceloratoren oder Inkubatoren entwickelt. In dieser Art von Bootcamp werden Startups mit Ressourcen und Wissen bei der Entwicklung von Ideen unterstützt. Aber natürlich gibt es schließlich auch noch die eher klassische Möglichkeit einer Übernahme.

Abschließend würde uns noch interessieren, welche Hürden und Herausforderungen Sie derzeit im FinTech-Bereich sehen.

Grundlegend muss zwischen technologischen und politischen Themenfelder unterschieden werden. Hinsichtlich der technologischen Komponente könnten FinTechs die vorhandenen Potenziale noch viel stärker für sich nutzen. So könnte im Crowdlending noch deutlich mehr Big Data genutzt werden und in die Analysen der Kredit einfließen. Bezogen auf den Standort Deutschland sollte der Infrastrukturausbau weiter vorangetrieben werden – Stichwort Breitband. In Bezug auf die Politik haben die Entwicklungen der vergangenen Monate wie das Brexit-Votum oder das Ergebnis der US-Wahlen die Finanzmärkte aufgerüttelt und beschäftigen auch die FinTech-Industrie. Diese beiden Ereignisse werden sicherlich regulatorische Veränderungen mit sich bringen. Die kommenden Monate werden daher spannend bleiben.

Herr Hornuf, vielen Dank für das Gespräch und die vielen spannenden Einblicke.

 

 

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