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Hidden Champions im Mittelstand: Weltmarktführer ohne große Worte

01.09.2017 Autor Julian Schmitz

Unter den deutschen Mittelständlern befinden sich zahlreiche Unternehmen, die in ihrer Sparte Weltmarktführer, doch der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt sind. Was aber macht einen “Hidden Champion” aus und warum sind sie so wichtig für die Wirtschaft?

Sennheiser wird vielen, die gerne unterwegs Musik hören, ein Begriff sein. Und auch Duravit werden einige kennen – als Hersteller für qualitativ hochwertige Badeinrichtung. Wenn es jedoch spätestens zu Voith, Lürssen oder Uwe Steingross kommt, wird ein Großteil der Bevölkerung den Kopf schütteln auf die Frage, ob sie von diesen Unternehmen schon mal gehört haben.

Dabei haben alle genannten Unternehmen eines gemeinsam: Sie können alle als “Hidden Champion” bezeichnet werden. Doch was hat es damit auf sich und was macht einen Hidden Champion aus?

Hidden Champions – eine Begriffsdefinition

Als Hidden Champions werden mittelständische Unternehmen bezeichnet, die in ihrer Nische zu den internationalen Marktführern gehören und deren jährlicher Umsatz 3 Milliarden Euro nicht übersteigt. Ein weiteres Kriterium ist der Status als inhabergeführtes, nicht börsennotiertes Unternehmen.

Die Begriffsdefinition geht dabei auf den Erfinder des Begriffs, Hermann Simon, zurück. Dieser fand 1990 heraus, dass in Deutschland besonders viele Unternehmen diese Kriterien erfüllen. Heute geht man davon aus, dass im deutschen Mittelstand circa 1.500 Hidden Champions existieren.

Die Nischenstrategie erklärt, weshalb die meisten der Unternehmen in der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt an ihrem Unternehmenserfolg arbeiten. Auch die Berührungspunkte mit Privatkunden sind eher gering. Laut ZEW-Studie sind nur 14% im Dienstleistungssektor, 86 % der Unternehmen jedoch im Industriesektor angesiedelt. Ein Viertel der industriellen Mittelständler verteilt sich dabei auf Maschinenbau und Elektronikindustrie. In der Pharmaindustrie finden sich anteilig die meisten Hidden Champions.

Doch der Status als inhabergeführtes Unternehmen und die Wahl einer Nischenstrategie machen noch keinen heimlichen Weltmarktführer. Es stellt sich die Frage, wieso diese Unternehmen international so erfolgreich sind.

Die Erfolgsformel der heimlichen Weltmarktführer

Bei der Betrachtung einiger Hidden Champions fallen weitere Gemeinsamkeiten aus, die den Erfolg dieser mittelständischen Unternehmen ausmacht:

Kundenkenntnisse

Hidden Champions kennen ihre Kunden sehr genau. Sie wissen um deren Bedürfnisse und die Produkte sind oft genau auf die jeweiligen Kunden zugeschnitten. Dadurch sind die Unternehmen oft integraler Bestandteil der Wertschöpfung ihrer Kunden und als solche fest in deren Prozessen verankert.

Spezialisierung

Statt auf dem Massenmarkt mit großen Konkurrenten um Marktanteile zu kämpfen, haben sich die Hidden Champions gezielt Nischen gesucht, auf die sie sich über Jahre spezialisiert haben. Das erlangte Fachwissen ist oftmals geschützt, wodurch hohe Eintrittsbarrieren für andere Anbieter aufgebaut worden sind. Gemeinsam mit dem Wissen um Kundenbedürfnisse bildet das die Basis ihres Erfolgs.

Internationalisierung

Hidden Champions profitieren stark von der Globalisierung. Nationale Märkte stellen meist nicht den benötigten Bedarf für die Nischenprodukte. Die internationale Nachfrage ist jedoch groß, wie das Beispiel Uwe Steingross zeigt. Die Kunden des Feinmechanik-Unternehmens aus Berlin kommen unter anderem aus Japan oder Brasilien. Eben aus der ganzen Welt und manchmal sogar darüber hinaus: Wenn Spezialhalterungen für die ISS-Raumstation benötigt werden, ist Uwe Steingross zur Stelle.

Schnelligkeit

Neben dem Wissen um die Bedürfnisse der Kunden ist es die Schnelligkeit der Hidden Champions, die ihnen einen zusätzlichen Vorteil verschafft. Aufgrund ihrer Größe und ihrer Unternehmensstruktur können sie sich schneller und flexibler ihrer Umgebung anpassen und auf spontane Nachfrage reagieren als etwa Großkonzerne. Kurzzeitige Chancen zur Gewinnung eines Wettbewerbsvorteils können so effizient genutzt werden.

Mitarbeiterklima

Herrscht in großen Unternehmen meist ein Bereichsegoismus, so werden kleine und mittelständische Unternehmen oft familiär geführt und die Mitarbeiter entsprechend wertgeschätzt.Teamplay statt Alleingang – so steht beispielsweise Uwe Steingross beim jährlichen Sommerfest selbstverständlich am Grill für seine Mitarbeiter. Das schafft ein gutes Betriebsklima und bindet dringend benötigte Fachkräfte.

Trotz ihres jahrelangen Erfolgs und sehr guter Auftragslage können Hidden Champions dennoch vor Probleme gestellt werden – z. B. wenn es darum geht eine Firmenfinanzierung bei ihrer Hausbank zu beantragen. Im Fall von Uwe Steingross lag die Bearbeitungszeit durch das Kreditinstitut bei über 7 Monaten, trotz vollständiger Unterlagen ab dem ersten Tag.

Wie beschrieben kommt es in Nischenbranchen aber eben auf Schnelligkeit an, um eine Führungsposition im internationalen Wettbewerb einnehmen zu können. Dank einer schnellen Finanzierung über Funding Circle konnte der Unternehmer so den Bau seiner neuen Produktionshalle realisieren. Ein Meilenstein für ihn und seine Mitarbeiter. Aber auch für die deutsche Wirtschaft, die von den heimlichen Weltmarktführern lebt – auch wenn den meisten Bundesbürgern auf die Frage nach erfolgreichen deutschen Unternehmen wohl nicht Herrenbock, Lürssen oder eben Uwe Steingross einfallen würde. Den Unternehmen kann das egal sein, denn in ihrem Nischenmarkt sind sie bestens bekannt – dank Innovation und Qualität “Made in Germany”.

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