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Digitale Finanzservices setzen Banken unter Druck

05.02.2018 Autor Julian Schmitz

Ob in Brandenburg oder Bayern – deutschlandweit ziehen sich Banken aus der Fläche zurück. Geht das Filialsterben im jetzigen Tempo weiter, wird nach Untersuchungen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) im Jahr 2035 bestenfalls noch jeder zweite Standort vorhanden sein. Vor allem in ländlichen Regionen sind Mittelständler gezwungen, sich nach einem alternativen Finanzpartner umzusehen, der sie verlässlich berät und begleitet. Die gute Nachricht: Digitale Finanzdienstleister bieten dafür bereits heute maßgeschneiderte Lösungen.

Ein Gastbeitrag von Dagmar Hotze

So könnte das Geschäftsleben jenseits der Metropolen in Deutschland im Jahr 2040 aussehen: Gearbeitet wird wahlweise im Home Office oder Coworking-Büro im Ortskern, vernetzte 3D-Drucker erledigen Aufträge aus aller Welt, den Warentransport übernehmen autonom fahrende Elektroautos und Finanzfragen lassen sich unkompliziert online klären. Willkommen in der Provinz mit Zukunft! Was nach Science-Fiction klingt, eröffnet vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) in peripheren Lagen neue Perspektiven, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Zwar ist es bis zur flächendeckenden Realisierung vieler dieser Innovationen noch ein weiter Weg. Doch mancherorts nimmt der digitale Wandel bereits Fahrt auf. Aktuell müssen Mittelständler allerdings mit einer anderen Herausforderung umgehen: Die Schließung von Bankfilialen, mit der sie einen wichtigen Partner verlieren.            

Jede Region ist vom Rückzug betroffen

Auch wenn der Schrumpfungsprozess der Banken schleichend vor sich geht, so ist er dennoch höchst dramatisch, wie eine im Oktober 2017 veröffentlichte Analyse der KfW zeigt: Demnach sind seit dem Jahr 2000 durchschnittlich rund 2 % aller Filialen in Deutschland pro Jahr geschlossen worden. Das entspricht einem jährlichen Minus von 680 Standorten. Bis 2015 hat sich der Rückbau bundesweit auf fast 10.200 Filialen summiert - ein Rückgang von 27 %! In den betroffenen vornehmlich ländlich geprägten Regionen bedeutet das, dass jede vierte Filiale, die Anfang des Jahrtausends vorhanden war, nicht mehr existiert.

Jetzt online Finanzierung beantragen

Den größten Schwund hat es bisher im knapp 74.000 Einwohner zählenden Landkreis Osterode am Harz gegeben, wo von einst 78 Filialen 32 übrig geblieben sind. Hier sorgt jetzt ein Service-Bus der Sparkasse, der wöchentlich durch die Ortschaften tourt, für eine funktionierende Geldversorgung. Doch nicht nur die Provinz trifft es. Auch eine mittelgroße Stadt wie Bayreuth, mit wirtschaftlicher Strahlkraft bis weit in die Region hinein, bleibt nicht von Schließungen verschont. Dort hat sich das Filialnetz seit der Jahrtausendwende halbiert. Landauf landab stehen immer mehr KMU vor der Frage, wer sie zukünftig in Finanzfragen beraten soll und ihnen Kredite finanziert, wenn die Hausbank die Pforten schließt.

Digitaler Finanzservice, Mittelstand, Funding Circle

Bild: Unsplash (2017)

Digitale Finanzservices auf dem Vormarsch

Doch was zeichnet eine Hausbank im Internetzeitalter eigentlich aus? Dass sie vor Ort präsent ist? Oder dass sie einen kompetenten und schnellen Service bietet, der zudem auch noch zeit- und ortsunabhängig - weil digital - funktioniert? Aus der Sicht modern denkender Mittelständler geben die zuletzt genannten Merkmale den Ausschlag. Schließlich ist es praktisch, Bankgeschäfte vom Chefsessel im Büro und/oder von der Couch im häuslichen Wohnzimmer aus zu erledigen. Mit wenigen Klicks lassen sich Vorgänge abschließen, wofür es in der überwiegend noch analogen Servicewelt vieler Banken Wochen braucht. Technologiegetriebene Akteure haben sich längst auf die Kundenerwartungen im Finanzbereich eingestellt. Vom Bezahlen per Smartphone bis zur digitalen Vermögensverwaltung bieten Fintechs eine Vielzahl von webbasierten Services, mit denen Privatkunden ihre Geldangelegenheiten komfortabel regeln können.

Bei mittelständischen Geschäftskunden beginnt sich die Online-Kreditvergabe zu etablieren, wie sie Funding Circle anbietet. Statt traditionell aufwendigen Antragsverfahren, einfach online Finanzierung beantragen, in einem Bruchteil der Zeit klassischer Antragsprozesse. Ob Wochenende, Feiertag oder Ferien – der Kreditantrag kann jederzeit überall online gestellt werden und wird umgehend weiterverarbeitet. Innerhalb von 48 Stunden erhalten Unternehmen ein verbindliches Angebot zur Kreditaufnahme und das Darlehen wird in der Regel innerhalb von sieben Tagen überwiesen. Hausbank vor Ort? Muss nicht mehr unbedingt sein.    

Nachfolger-Generation treibt Digitalisierung voran

Zudem fällt das Filialsterben der Banken mit dem Generationswechsel in mittelständischen Unternehmen zusammen. Das Institut für Mittelstandsforschung Bonn schätzt, dass bis 2019 in 450.000 Familienbetrieben die Übergabe an den Nachfolger stattfindet. Entsprechend gefragt sind die Beratungsangebote der regionalen Industrie- und Handelskammern (IHK) zum Thema Nachfolge, die im vorigen Jahr von über 6.600 Altinhabern genutzt wurden – ein bislang nie dagewesener Rekord. Immerhin fanden 56 % einen passenden Kandidaten, der den Betrieb weiterführt.

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Mit der Stabübergabe an den neuen Inhaber geht häufig eine Unternehmensrevision einher, bei der alles auf den Prüfstand kommt: Wie hoch ist der Umsatz? Was kostet das Personal? Sind die Betriebsmittel noch zeitgemäß oder müssen neue angeschafft werden? Wodurch lässt sich die Produktivität steigern? Und vor allem: Welchen Digitalisierungsgrad hat das Unternehmen? 81 % der Handwerksbetriebe beispielsweise sehen Zeitersparnis als wichtigen Vorteil von digitalen Anwendungen, so das Ergebnis einer im März 2017 durchgeführten repräsentativen Untersuchung des Digitalverbandes BITKOM im Auftrag des Zentralverbandes des deutschen Handwerks (ZDH). 78 % schätzen eine flexible Arbeitsorganisation. Noch stehen die meisten KMU bei der digitalen Transformation am Anfang. Dass innovative Anbieter von Online-Finanzservices zukünftig Banken ersetzen werden, scheint jedoch lediglich eine Frage der Zeit – ob mit Filialen oder ohne.

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