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Alternative Finanzierungsformen - Neue Chancen für die Unternehmensfinanzierung?

27.01.2015 Autor Lerato Bogatsu

Ob junges oder etabliertes Unternehmen: Mittelständler brauchen Kapital, um sich weiterzuentwickeln und um Projekte zu realisieren. In den vergangenen Jahren haben sich etliche neuen Modelle entwickelt - und bestehende Finanzierungskonzepte entwickeln sich stetig weiter. Einige diese alternativen Finanzierungsformen wollen wir etwas näher betrachten.

Mit Blick auf die externe Kapitalbeschaffung werden eine Reihe von alternativen Finanzierungsformen in der breiteren Öffentlichkeit immer populärer. Aber nicht jede Unternehmensfinanzierung ist für jeden Betrieb und jedes Kreditprojekt geeignet.

Neue Finanzierungsformen über die Crowd

Unter anderem durch die fortschreitende Digitalisierung eröffnen sich dem Mittelstand ganz neue Möglichkeiten auf dem Kreditmarkt. Aber auch makroökonomische Ereignisse wie die Finanzkrise führen dazu, dass Unternehmer sich ganz bewusst auf die Suche nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten begeben. Ein Trend, der sich dabei abzeichnet: Noch nie war die Finanzierung von Unternehmen so direkt mit privaten Investoren verknüpft wie heute.

Die „Crowd” oder deutsch der „Schwarm” ist ein Begriff, der für viele Deutsche vor ein paar Jahren noch keine Bedeutung hatte. Mittlerweile ist er in der Wirtschaft allgegenwärtig: Privatpersonen stellen ihr Kapital oder ihre Ideen Unternehmen zur Verfügung. Im Gegenzug erhalten sie je nach Finanzierungsform monetäre Gegenleistungen wie Gewinnbeteiligung oder Zins- und Tilgungszahlungen, aber oft auch ein Dankeschön in Form von Produkten oder Dienstleistung.

Drei Möglichkeiten der Außenfinanzierung

Die drei neuen Arten der Außenfinanzierung über den Schwarm sind das Crowdfunding, das Crowdinvesting und das Crowdlending . Sie alle finden auf Online-Marktplätzen statt, auf denen Investoren und Unternehmen zusammenfinden. Ziel kann es beispielsweise sein Ideen und Projekte zu realisieren, die durch klassische Finanzierungsformen nicht zustande kommen.

Über das Crowdfunding lassen sich konkrete Produkte, aber auch Kunst-, Musik-, und Theaterprojekte finanzieren. Konkret: Privatpersonen legen über Online-Marktplätze in Projekte und Ideen an und bekommen eine sachliche oder ideelle Gegenleistung. Die Crowd investiert dabei eher geringe Beträge.. Es kann sich also wirklich jeder beteiligen, dem die Idee gefällt. Beispielsweise ist die Gegenleistung für mittlere oder hohe investierte Beträge eine Einheit des Produkts, dessen Produktion durch das Crowdfunding finanziert wird. Diese Finanzierungsform eignet sich also auf Unternehmensebene besonders für innovative Produkte, die relativ massentauglich sind. Bekannte Beispiele sind die Finanzierung des ”Stromberg”-Films mit Christoph Maria Herbst oder, in den USA, die Finanzierung einer innovativen Kühlbox mit Stereo-Anlage, Bluetooth und vielem mehr. Dieses Projekt sammelte bei einer amerikanischen Crowdfunding-Plattform im Sommer 2014 mehr als 13 Mio. US-Dollar ein.

Crowdinvesting: Hohe Rendite, hohes Risiko?

Beim Crowdinvesting oder auch equity-based Crowdfunding erwerben die Investoren hingegen einen Anteil an einem Unternehmen. Im Gegensatz zum Crowdfunding geht es wirklich um die Finanzierung eines Unternehmens und nicht nur eines Produktes. Die Rendite des Investors ist damit abhängig vom Erfolg des Unternehmens: Er wird üblicherweise an den Gewinnen und auch der Wertsteigerung des Unternehmens beteiligt, trägt aber auch das Risiko eines Totalverlusts. Das Crowdinvesting fand seinen Weg in die deutsche Finanzierungslandschaft als Alternative zum Kapitel von Wagniskapital-Gesellschaften für junge innovative Start-ups. Zuletzt wurde diese Form aber auch für die Finanzierung von Energie- oder Immobilien-Projekten eingesetzt.

Privatinvestoren ermöglichen Unternehmenskredite und Privatdarlehen

Das Crowdlending, wie es beispielsweise Funding Circle anbietet, ist wieder eine andere Art der Finanzierung über die Crowd. Sie unterscheidet sich jedoch wesentlich von dem Crowdinvesting: Beispielsweise erwirbt der private Anleger bei dieser Finanzierungsmöglichkeit keine Anteile an einer Firma, sondern gibt ihr einen Unternehmenskredit. Beim Crowdlending bedarf es keiner dinglichen Sicherheiten seitens des Kreditnehmers, sondern lediglich einiger Unterlagen wie Jahresabschlüssen, Betriebswirtschaftlichen Auswertungen und einer persönliche Bürgschaft. Dies ist ein großer Vorteil für junge mittelständische Unternehmen, die zwar solide Geschäftszahlen aufweisen, aber noch über wenig Sachkapital verfügen. Ein weiterer Vorteil des Crowdlendings ist für den Kreditnehmer, dass der Kredit nicht zweckgebunden ist und damit flexibel eingesetzt werden kann.

Anleger profitieren beim Crowdlending vor allem von der Möglichkeit, ihr Kapital schnell in eine große Anzahl von Unternehmen zu investieren und so ihr Risiko zu streuen. Im Gegensatz zum Startup-Crowdinvesting müssen die Kreditnehmer eine intensive Risikoprüfung bestehen, ehe sie ein Crowdlending starten können. Da hierzu vor allem historische und geprüfte Daten aus verschiedenen Quellen anstatt wager Zukunftsprognosen herangezogen werden, ist das Risiko besser kalkulierbar. Viele Crowdlending-Plattformen wie Funding Circle preisen dieses Risiko im Zinssatz ein, wodurch Anleger ihren individuellem Profil entsprechend investieren können. Alle aktuell laufenden Kreditprojekte finden Sie auf unserem Kreditmarktplatz.

Neben diesen neuen alternativen Finanzierungsmöglichkeiten gibt es auch Kreditsubstitute wie das Factoring und das Leasing, welche Betriebe alternativ zum herkömmlichen Firmenkredit als Finanzierungsmöglichkeit nutzen. Auch diese wollen wir kurz vorstellen.

In der Offlline-Welt haben sich verschiedene Finanzierungsmodelle entwickelt, die durch gesellschaftliche Veränderungen geprägt sind: langfristiges Eigentum wird immer zweirangige und Technologien veralten schnell. Im Zuge dieses Wandels haben sich Modelle des temporären Besitzes etabliert, in denen Eigentum und Besitz getrennt sind.

Leasing - frische Ressourcen ohne Eigentum

Für Unternehmen bietet das Leasing Finanzierungsvorteile. Diese ergeben sich aus der zeitlich begrenzten Überlassung von Maschinen, Fahrzeugen, Immobilien und anderem Anlagevermögen gegen die Zahlung von Leasing-Raten.

In der Regel erhält der Leasinggeber das Eigentum an dem Leasing-Objekt und stellt es dem Leasingnehmer für einen vertraglich festgelegten Zeitraum zur Verfügung. Der Leasingnehmer zahlt im Gegenzug festgesetzte Leasing-Raten als Entgelt für die Nutzung. Zumeist ist vereinbart, dass der Leasingnehmer ein Vorkaufsrecht am Ende der Laufzeit hat.

Auf diese Weise können liquiditätsschonende Investitionen ins Unternehmen getätigt werden, da die Investitionskosten auf einen längeren Zeitraum, gewöhnlich auf die Abschreibungsdauer des Leasingobjektes, umgelegt werden.

Die Finanzierungsstruktur eines Unternehmens kann durch Leasing von bereits bilanziertem Anlagevermögen verbessert werden (sale-and-lease-back). Aber auch bei neuen Investitionen über eine Leasingfinanzierung (Off-Balance) bleibt das Verhältnis von Eigenkapital und Anlagevermögen unberührt. Zudem sind die Leasingraten bilanzneutral und reduzieren das zu versteuernde Ergebnis.

Leasingnehmer sollten bedenken, dass die Gesamtkosten einer Leasing-Finanzierung höher ausfallen kann, als bei einer herkömmlichen Firmenfinanzierung. Je nach Unternehmenssituation und Zweck der Investition sind beiden Finanzierungsformen abzuwägen.

Factoring - Der Verkauf von Forderungen

Um das Unternehmen liquide zu halten nutzen viele mittelständische Betriebe das Factoring. Dabei werden laufend Forderungen, in der Regel aus Lieferungen und Leistungen, an eine Factoringgesellschaft, dem sogenannten Factor, verkauft. Der Factoringnehmer erhält mit dem Verkauf der Forderungen an den Factor unverzüglich einen Liquiditätszufluss, was bei einer normalen Forderungslaufzeit, bis die Kunden Ihre Rechnungen zahlen, 30 Tage und länger benötigen würde.

Üblicherweise erfolgt der Verkauf als Bündel von Forderungen und laufend für eine festgelegte Vertragslaufzeit, zumeist zwei Jahre. Hierbei erhält das Unternehmen den fälligen Betrag der Forderungen unter Abzug eines Abschlags. Je nach Factoringform übernimmt der Factor verschiedene Funktionen wie die Übernahme des Ausfallrisikos und Dienstleistungen wie das Mahn- und Inkassowesen. Der Factoringnehmer könnte damit auf ein Debitorenmanagement weitgehend verzichten. Für den Ankauf der Forderungen prüft der Factor die Bonität und Seriosität des Factoringnehmers. Weitere Anforderungen sind, dass der Abnehmerkreis nur geringen Veränderungen ausgesetzt ist, dass die Forderungen frei von Rechten Dritter sind und dass diese auch tatsächlich entstanden sind. Beim Factoring werden in der Regel nur gewerbliche Forderungen angekauft.

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