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Liquidität sichern mit einem Firmenkredit – für Unternehmer Jens Drewitz ein wichtiger Faktor für den Erfolg von Sansibar-Whisky

11.06.2018 Autor Nadine Landeck

Seit 2011 vertreibt die Sansibar-Whisky GmbH Whisky. Gründer und Geschäftsführer Jens Drewitz wählt mit seiner langjährigen Expertise die schottischen Single Malts direkt vor Ort selbst aus. Dank zweier Firmenkredite von Funding Circle konnte er seine Liquidität verbessern, um den Ankauf einer seltenen Abfüllung zu finanzieren und den Eintritt in einen neuen Markt vorzubereiten. Wir sprechen mit ihm über die Faszination des Whiskys, die Besonderheiten der Branche und den Stellenwert von Liquidität.

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Whisky, so weit das Auge reicht. Flasche an Flasche auf dem opulenten Tresen, hinter der Bar vor burgunderroter Wand, auf langen Boards, die sich oberhalb der dunklen Holzvertäfelung an den Wänden entlangziehen, in warm beleuchteten Vitrinen, Flaschen in allen Farben und Formen. 1050 sind es genau, verrät uns Jens Drewitz. Der Union Jack Pub in Berlin-Charlottenburg ist der älteste seiner Art in Berlin – über 40 Jahre wird hier schon Hochprozentiges getrunken. Gängige Marken stehen neben kostbaren Raritäten, die Etiketten zeugen von der Abfüllung in verschiedenen Jahrzehnten. Das lässt das Herz jedes Whiskyliebhabers höher schlagen. Sofort fallen uns Flaschen ins Auge, die ein bekanntes Logo tragen: gekreuzte Säbel und der Name Sansibar in charakteristischen Lettern weiß auf schwarz. Jens Drewitz, Kopf hinter der Sansibar-Whisky GmbH, besteht auf einem kleinen Tasting, denn „wer einmal unseren Whisky probiert, ist von uns überzeugt“. Wir lassen uns nicht lange bitten und müssen ihm Recht geben. Jeder einzelne der Whiskys, die er uns kredenzt, schmeckt auf seine eigene Weise köstlich. Uns wird sofort warm, aber das erwartete Brennen bleibt aus. Jens Drewitz freut sich. „Genau das mag ich so am Whisky, das Glitzern in den Augen zu sehen, wenn ich jemanden überrascht oder seinen Geschmack getroffen habe. Ich lasse jeden so lange probieren, bis er sagt: Das ist gut.“ 

Funding Circle Tasting Sansibar Whisky

Die Seele des Whiskys: Teilen mit Freunden

Mit einem Whisky-Tasting fing auch bei Jens Drewitz alles an. Der Inhaber einer Makleragentur war durch einen schottischen Kunden schon in den Neunzigern mit dem Getränk in Berührung gekommen, doch ein Spontan-Tasting 2005 auf einer Gartenschau auf dem Rittergut Remeringhausen nahe Hannover brachte ihn dann richtig auf den Geschmack. Die zweite Verkostung war schnell gebucht, in den folgenden Jahren besuchte er zahlreiche Whiskymessen und reiste nach Schottland, um sich die berühmte Glengoyne Distillery in Glasgow anzuschauen. Ein Freund, selbst schon Kenner, brachte ihm die Whiskykultur nahe und bildete ihn richtiggehend aus. In den ersten Jahren führte Jens Drewitz ein Tasting-Buch, doch das war schnell voll. Er lacht. „Ich habe mehrere tausend Whiskys probiert und alles im Glas gehabt, was Rang und Namen hat – da kommt man mit dem Aufschreiben nicht mehr hinterher.“ Natürlich besitzt der Whisky-Connaisseur mittlerweile selbst eine stattliche private Sammlung an erlesenen alten Tropfen. Was die besondere Faszination des Getränks ausmacht, wollen wir wissen. „Whisky ist eine lebendige Spirituose, er ist facettenreich und schmeckt in jeder Situation anders.“ Jens Drewitz kommt ins Schwärmen: „Whisky steht für Kommunikation, Lebensfreude und Genuss. Seine pure Seele liegt im ‚Teilen mit Freunden’, er verbindet Menschen wie kein anderes Getränk.“

2011 begann der Versicherungsmakler darüber nachzudenken, wie er sein kaufmännisches Geschick und seine Leidenschaft für Whisky miteinander verknüpfen konnte. Zusammen mit einem Freund kam er auf die Idee, für den Quermarkt Gastronomie besonderen Whisky in Schottland abfüllen zu lassen. Die Suche nach einem geeigneten Partner führte sie schnell zu der Marke Sansibar. Das berühmte Gourmetrestaurant Sansibar auf Sylt hatte eine beeindruckende Weinkarte, doch bei Whisky und Rum klaffte eine Lücke, die Jens Drewitz schließen wollte. Nach beharrlichen Versuchen hatte Jens Drewitz im Dezember 2011 schließlich einen Termin bei dem damaligen Kellermeister. Dieser bat ihn freundlich an einen Tisch und eröffnete ihm, er habe zehn Sekunden, um ihn zu überzeugen. Jens Drewitz verlor nicht viele Worte, sondern öffnete einen extra für diesen Zweck abgefüllten Bunnahabhain. Der Kellermeister nahm einen Schluck, kostete und sagte: „Machen wir.“ Jens Drewitz sah auf die Uhr: Genau zwölf Sekunden waren vergangen.

Funding Circle Sansibar Whisky

Natürlich sollte das Label Sansibar ganz besondere Single-Malt-Whiskys zieren, außergewöhnliche und seltene Einzelfassabfüllungen, die trotzdem gut trinkbar sind. „Wir sind die Trüffelschweine unter den Abfüllern“, erklärt Jens Drewitz mit leuchtenden Augen. „Wir stehen für Genuss und Trinkbarkeit.“ Alle Single Malts, die er abfüllen lässt, probiert der Whiskykenner selbst. Nur in seltenen Fällen, wenn er die Destillerie und den Jahrgang kennt und die Schwesterfässer gut waren, kauft er auch mal blind. Die ausgewählten Whiskys werden in besondere Flaschen abgefüllt und mit individuell designten Labels versehen.

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Mittlerweile vertreibt Jens Drewitz nicht nur schottische, sondern auch japanische Whiskys unter der Sansibar-Flagge, darunter absolute Raritäten wie einen Karuizawa. Auch andere Marken wie North Star aus Schottland und Hidden Spirits aus Italien hat er als exklusiver Importeur in seinem Sortiment. Schnell weitete sich das Geschäft über Deutschland hinaus auf andere europäische Länder und dann auch auf den asiatischen Raum aus. Besonders stolz war Jens Drewitz, als er 2015 das erste Mal einen Whisky im Shop „Liquid Gold“ in einem gigantischen Einkaufszentrum in Hongkong platzieren konnte. Für die Märkte dort war es etwas Neues, unabhängige Abfüller zu haben, und für Jens Drewitz bedeutete es eine Wertschätzung seines Produktes und seiner Arbeit.

Liquidiät, Schnelligkeit und Entscheidungssicherheit zählen

Die Whiskybranche, besonders das Single-Cask-Geschäft, hat ihre eigenen Gepflogenheiten. „Es ist ein Handschlag-Geschäft“, erklärt Jens Drewitz. „Um authentischer Händler zu sein, musst du Whisky lieben und Erfahrung haben. Du musst dir einen Leumund aufbauen, denn andere Geschäftsmänner werden befragt, bevor man Geschäfte mit dir macht. Und wenn nur einer mit dem Daumen nach unten zeigt, lässt sich keiner auf dich ein.“ Solch einen guten Ruf hat Jens Drewitz sich erarbeitet und damit auch ein exzellentes Netzwerk. Umso wichtiger ist das, weil sich der Markt in den letzten Jahren stark verändert hat und eine deutliche Verknappung an gereiften Whiskys, die um die 40 Jahre alt sind, zu spüren ist. Wenn man dann von einem schottischen Fassinhaber ein Angebot für eine sehr gute Abfüllung bekommt, muss man schnell, entscheidungssicher und liquide sein. Doch Whisky ist ein teures Gut und vom Zuschlag und der sofortigen Bezahlung über das Abfüllen und Labeln bis hin zu Verkauf und Transport an den Endkunden oder an Importeure in Übersee, vergehen leicht sechs Monate oder mehr. Gerade wenn man einen Kickstart hinlegt wie Sansibar-Whisky und der Umsatz stark steigt, kann es schnell zu Liquiditätsengpässen kommen und eine Finanzierung nötig werden.

Nach einem Gespräch mit seiner Hausbank bekam Jens Drewitz einen großzügigen Dispositionskredit eingeräumt, welcher zwar bequem, aber teuer war. Parallel machte er sich auf die Suche nach privaten Geldgebern. Interessenten gab es viele, doch ein finanzstarker Investor, der ihm eine große Summe zum Wirtschaften überlassen hätte, fand sich zu diesem Zeitpunkt nicht. Ein weiterer Kredit von der Hausbank war nicht zu bekommen. Jens Drewitz zuckt mit den Schultern. „Fässer oder Flaschen zählen leider nicht als belastbare Sicherheit.“

„Liquidität ist das Schmieröl des Geschäfts und entscheidet über Erfolg oder Misserfolg“

Bei der Recherche nach Alternativen für eine Finanzierung stieß Jens Drewitz auf Online-Kreditmarktplätze und beschäftigte sich näher mit Crowdlending und Funding Circle. Im März 2017, fünf Jahre nach Gründung, erhielt er dann eine Offerte, die er nicht ausschlagen konnte: Eine schottische Destillerie verkaufte Restbestände von sehr alten gereiften Single Malts mit außergewöhnlicher Trinkqualität. Drewitz’ Importeur kaufte den Hauptanteil und machte ihm sofort ein Angebot. „Da hieß es: schnell sein. Liquidität ist das Schmieröl des Geschäfts und entscheidet über Erfolg oder Misserfolg.“ Der Unternehmer zögerte nicht lange, sondern nahm den Telefonhörer in die Hand und ließ sich von Funding Circle ein Angebot machen. „Alles ging sehr schnell und unkompliziert. Innerhalb von wenigen Tagen hatte ich 100.000 Euro mehr auf dem Konto und konnte die Abfüllungen sofort bezahlen.“ Jens Drewitz dreht sich um und holt eine Flasche vom Regal. „Mittlerweile sind große Teile der Serie verkauft und neue eingekauft.“

Zur Zeit widmet sich der Unternehmer der Veränderung interner Strukturen, die bei dem schnellen Wachstum von 20 bis 25 Prozent pro Jahr und einem Umsatz von bereits 1,2 Mio. € nachziehen müssen. So wurde jüngst die Lagerfläche auf knapp 400 Quadratmeter Hochregal verdoppelt und ein mehrköpfiges Messeteam für Veranstaltungen und Tastings zusammengestellt. In einem nächsten Schritt möchte Jens Drewitz weitere Mitarbeiter für den Vertrieb gewinnen. Worauf er bei der Auswahl besonders achtet? „Sie müssen ein Faible für Whisky haben und mit der Marke Sansibar umgehen können.“ Trinkfestigkeit sei kein Muss, erklärt er auf Nachfrage und lacht. „Man trinkt selten einen Whisky ganz. Es ist mehr analytisches Trinken. Nur wenn ich Freunde zu Besuch habe, trinke ich mal ein ganzes Glas. Da bringt jeder Whisky mit und wir tauschen uns aus.“

Funding Circle Whisky Glas Sansibar

Jens Drewitz möchte Sansibar-Whisky nun als Markennamen auf dem Weltmarkt etablieren. Nach Europa, Asien, Australien und Kanada ist der amerikanische Markt sein nächstes Ziel. Für seine Wachstumspläne hat der Unternehmer ein paar Monate nach der ersten Finanzierung eine zweite bei Funding Circle aufgenommen. Dass dabei 211 private Anleger in seine Idee investiert haben und an ihn glauben, macht ihn stolz und motiviert ihn zusätzlich. Wofür genau er die Summe braucht, mag er noch nicht verraten. Nur so viel sei gesagt: Es geht um eine einmalige Kombination von Kunst und Whisky, bei der ein weltbekannter amerikanischer Künstler eine Rolle spielt.

Jens Drewitz unterstreicht mit einer ausschweifenden Handbewegung in Richtung der vielen Flaschen um uns herum, dass der Whiskymarkt weltweit boomt. Er wird sich stark verändern, viele kleinere Abfüller, die das mehr als Hobby betreiben, werden verschwinden, glaubt der Unternehmer. Denn auch für die Kunden ist der Markt zu zerfleddert, sie setzen lieber auf Größe, weil sie da wissen, was sie ins Glas bekommen. Um seine Marke macht sich der Unternehmer jedoch keine Sorgen, ganz im Gegenteil: „Qualität setzt sich durch, und die bieten wir.“ Uns hat er damit schon überzeugt.

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